So kommt die Bordtechnik unbeschadet durch die Wintermonate
Wenn das Boot aus dem Wasser kommt, denken viele zuerst an Motor, Frostschutz und Pflege. Die elektrische Anlage und die empfindliche Elektronik an Bord werden dabei gern vernachlässigt.
Dabei kann gerade die Winterpause für Batterien, Ladegeräte, Navigationsgeräte, Steckverbindungen und andere elektrische Komponenten eine echte Belastungsprobe sein. Feuchtigkeit, Korrosion, Tiefentladung, unbemerkte Ruheströme und falsch angeschlossene Ladegeräte können im Frühjahr für unangenehme Überraschungen sorgen.
Mit ein paar einfachen Maßnahmen bringen Sie ihre elektrische Anlage sicher durch den Winter – und starten im Frühjahr deutlich entspannter in die neue Saison.
Achtung Sicherheitsgrenze: Sicht- und Funktionskontrollen können selbst durchgeführt werden. Änderungen, Reparaturen und messtechnische Prüfungen an der 230-V-Anlage sowie Arbeiten an unbekannten oder komplexen Bordnetzen gehören in die Hände einer qualifizierten Fachkraft.
1. Batterien richtig auf die Winterpause vorbereiten
Das Wichtigste zuerst: Kümmern Sie sich um Ihre Batterien.
Ob Blei-Säure, AGM, Gel oder Lithium – jede Batterie hat ihre eigenen Anforderungen. Deshalb sollte zunächst geklärt werden, welcher Batterietyp verbaut ist und welches Ladesystem dazu passt.
Bei klassischen Blei-, AGM- und Gel-Batterien gilt grundsätzlich:
- Batterien vor der Einwinterung vollständig laden
- Ruhestromverbraucher wie Alarmsysteme, Speicher oder bestimmte Steuergeräte berücksichtigen (nur sofern wirklich notwendig)
- Anschließend Verbraucher vom Bordnetz trennen, Pluspol von der Batterie abnehmen (bei Schiff an Land)
- Die Batteriespannung während der Winterpause regelmäßig kontrollieren
Je nach Batterietyp und Ladesystem gegebenenfalls nachladen
Wichtig: Einfach den Hauptschalter auszuschalten bedeutet nicht automatisch, dass wirklich alle Verbraucher stromlos sind. Bilgenpumpen, Alarmsysteme, Ladegeräte oder bestimmte Steuerungen können weiterhin angeschlossen sein.
Lithium-Batterien brauchen besondere Aufmerksamkeit
Bei LiFePO₄-Batterien gelten andere Regeln als bei klassischen Blei-Batterien. Hier sollten unbedingt die Vorgaben des Batterie- und BMS-Herstellers beachtet werden.
Insbesondere bei niedrigen Temperaturen ist Vorsicht geboten: Viele Lithium-Batterien dürfen bei Temperaturen unter 0 °C nicht geladen werden.
- Den vom Hersteller vorgeschriebenen Lagerladezustand (60-70%) einstellen
- Anschließend Verbraucher vom Bordnetz trennen, Pluspol von der Batterie abnehmen (wenn das Schiff an Land ist)
Deshalb sollte vor der Winterpause geprüft werden, wie Batterie, BMS, Ladegerät und gegebenenfalls Heizsystem zusammenspielen.
2. Ladegeräte und Landstrom überprüfen
Einfach den Landstrom über Monate angeschlossen zu lassen, ist nicht automatisch die beste Lösung.
Moderne Ladegeräte verfügen zwar über geeignete Erhaltungs- bzw. Ladeprogramme, trotzdem sollte die gesamte Installation geprüft werden. Dazu gehören:
- Ladegerät und Ladeprofile
- Sicherungen
- Landstromanschluss
- FI-/RCD-Schutz
- Landstromkabel und Stecker
- Batterietemperatursensoren
Kabel und Anschlüsse auf Korrosion oder Beschädigungen
Wenn das Boot über längere Zeit am Landstrom hängt, sollte die Installation technisch dafür geeignet sein und regelmäßig kontrolliert werden.
Besonders wichtig: Niemals beschädigte oder korrodierte Landstromstecker und Kabel über die Wintermonate weiterverwenden.
3. Elektronik an Bord schützen
Plotter, Multifunktionsdisplays, Autopilot, AIS, Funkgerät, Radar, Echolot, Ladegeräte und weitere elektronische Komponenten mögen vor allem eines nicht: Feuchtigkeit.
Bei Geräten, die ausgebaut werden können, kann es sinnvoll sein, sie über den Winter trocken und frostfrei zu lagern. Das betrifft beispielsweise:
- mobile Displays
- Handfunkgeräte
- Tablets
- Kameras
- portable Navigationsgeräte
- bestimmte Bedieneinheiten
Fest eingebaute Geräte sollten dagegen nicht einfach abgedeckt und vergessen werden. Entscheidend ist eine trockene und gut belüftete Umgebung.
Denn eine luftdichte Abdeckung kann unter Umständen genau das Gegenteil bewirken: Kondenswasser bleibt eingeschlossen und begünstigt Korrosion.
4. Steckverbindungen und Kabel kontrollieren
Korrosion ist einer der häufigsten Feinde elektrischer Anlagen auf Booten.
Salzwasser, hohe Luftfeuchtigkeit und Temperaturschwankungen setzen Steckverbindungen, Kabelschuhen, Sicherungshaltern und Schaltern ordentlich zu.
Vor der Winterpause lohnt deshalb ein Blick auf:
- Steckverbindungen
- Sicherungshalter
- Kabelschuhe
- Masseverbindungen
- Batterieanschlüsse
- Relais
- Schalter
- Außensteckdosen
- Antennenanschlüsse
- Sensoranschlüsse
Achten Sie auf Grünspan, Weißkorrosion, lose Verbindungen, spröde Kabelisolierungen oder Feuchtigkeit in Steckern.
Nicht jede Steckverbindung sollte einfach mit irgendeinem Kontaktspray behandelt werden. Bei empfindlicher Elektronik und speziellen Stecksystemen immer die Vorgaben des jeweiligen Herstellers beachten.
5. Bilgenpumpen und Sicherheitsverbraucher nicht vergessen
Ein häufiger Fehler bei der Einwinterung: Alles wird abgeschaltet – auch die Systeme, die im Winter eventuell weiterhin gebraucht werden.
Ob Bilgenpumpe, Alarmanlage, Frostschutzsystem oder Überwachungstechnik aktiv bleiben soll, hängt davon ab, wo und unter welchen Bedingungen das Boot überwintert.
Wenn eine Bilgenpumpe aktiv bleiben muss, darf die entsprechende Stromversorgung natürlich nicht einfach vollständig getrennt werden.
Gleichzeitig sollte überprüft werden, ob die Pumpe zuverlässig funktioniert und ob der automatische Schwimmerschalter bzw. Sensor arbeitet.
6. Landstrom, Solar und Windgenerator berücksichtigen
Bei Booten mit mehreren Energiequellen wird die Sache etwas komplexer.
Neben dem Landstrom können beispielsweise
- Solarpanels
- Windgeneratoren
- Lichtmaschinen
- DC/DC-Lader
- oder zusätzliche Ladegeräte
mit dem Bordnetz verbunden sein.
Hier sollte vor der Einwinterung klar sein, welche Energiequellen aktiv bleiben und welche getrennt werden.
Bei Solaranlagen gilt beispielsweise: Nicht einfach einzelne Komponenten abklemmen, ohne die Funktionsweise des Ladereglers und die Herstellerangaben zu berücksichtigen.
7. Feuchtigkeit ist der unterschätzte Gegner
Elektronik und Feuchtigkeit sind keine besonders gute Kombination.
Während der Wintermonate entstehen durch Temperaturunterschiede schnell Kondenswasser und eine erhöhte Luftfeuchtigkeit in geschlossenen Räumen.
Deshalb:
- Innenräume möglichst trocken halten
- Für ausreichende Belüftung sorgen und Luftentfeuchter aufstellen
- Feuchtigkeitsquellen reduzieren
- Polster und textile Materialien gegebenenfalls herausnehmen
- Elektronik nicht luftdicht „einpacken“
- Regelmäßig nach dem Rechten sehen.
Auch ein trockener Winterlagerplatz ist kein Grund, das Boot monatelang komplett unbeaufsichtigt zu lassen.
8. Sicherungen und Verteilungen prüfen
Die Winterpause ist eine gute Gelegenheit, sich die elektrische Verteilung einmal genauer anzusehen.
Sind alle Sicherungen beschriftet? Gibt es lose Kabel? Sind Sicherungshalter oder Verteiler korrodiert? Wurde irgendwann einmal etwas nachgerüstet und nur provisorisch angeschlossen?
Gerade bei älteren Booten lohnt sich ein kritischer Blick auf die gesamte Installation.
Saubere Kabelwege, vernünftige Absicherung und korrosionsfreie Verbindungen sind nicht nur eine Frage der Ordnung – sie sind ein wichtiger Bestandteil der Sicherheit an Bord.
9. Vor dem Einwintern dokumentieren
Ein kleiner Tipp, der im Frühjahr viel Zeit sparen kann: Machen Sie Fotos von Batterieanschlüssen, Sicherungskästen, Ladegeräten und speziellen Steckverbindungen, bevor Sie etwas trennen.
Noch besser: Beschriften Sie abgezogene Leitungen und dokumentieren Sie, welche Verbraucher abgeschaltet oder ausgebaut wurden.
10. Nicht nur „ausmachen“, sondern den Zustand prüfen
Die wichtigste Regel lautet deshalb:
Ein Boot richtig einzuwintern bedeutet nicht, möglichst viele Schalter auszuschalten. Es bedeutet, die elektrische Anlage kontrolliert in einen sicheren Zustand zu versetzen.
Je nach Boot können dabei ganz unterschiedliche Maßnahmen sinnvoll sein. Ein kleines Segelboot mit überschaubarer 12-V-Anlage braucht eine andere Strategie als eine große Motoryacht mit Lithium-Batteriebank, Wechselrichter, Generator, mehreren Ladegeräten, Entertainment-System und umfangreicher Navigationselektronik.
Unsere Empfehlung für die Winterpause
Nehmen Sie sich für die Elektrik und Elektronik bewusst etwas Zeit und gehen Sie systematisch vor:
- Batterietypen und Ladezustand prüfen
- Nicht benötigte Verbraucher abschalten
- Ladegeräte und Landstromanlage kontrollieren
- Elektronik auf Feuchtigkeit und Beschädigungen prüfen
- Steckverbindungen und Kabel auf Korrosion kontrollieren
- Bilgenpumpen und andere wichtige Systeme testen
- Solar- und andere Ladequellen berücksichtigen
- Für eine trockene, gut belüftete Umgebung sorgen
- Ausgebaute Elektronik trocken und frostfrei lagern
Die vorgenommenen Änderungen dokumentieren
Gut eingewintert ist halb ausgerüstet
Die Winterpause ist die perfekte Gelegenheit, nicht nur Schäden zu vermeiden, sondern auch die elektrische Anlage für die nächste Saison fit zu machen.
Vielleicht gibt es Geräte, die schon länger Probleme machen, eine Batterie, die nicht mehr die ursprüngliche Kapazität erreicht, oder eine Steckverbindung, die dringend erneuert werden sollte.
Wer solche Themen im Herbst erledigt, startet im Frühjahr deutlich entspannter.
Und falls Sie sich bei Batterieanlage, Ladegerät, Landstrom oder Bordelektronik nicht ganz sicher sind: Lieber einmal fachkundig prüfen lassen, bevor aus einem kleinen Kontaktproblem im Frühjahr ein richtiges Problem wird.
Denn schließlich soll die nächste Saison mit einem Dreh am Schlüssel oder einem Druck auf den Startknopf beginnen – und nicht mit der Suche nach der Ursache für „Warum geht hier eigentlich gar nichts mehr?“