Konventionell oder Rollreffsystem?
Wer heute eine moderne Fahrtenyacht ausrüstet, kommt an der Frage kaum vorbei: Rollbaum oder Rollmast, oder doch konventionelles Rigg ? Rollreffsysteme machen das Segelhandling deutlich einfacher – besonders für kleine Crews oder Eigner, die oft allein unterwegs sind. Trotzdem gibt es klare Unterschiede, die man vor einer Entscheidung kennen sollte.
Warum überhaupt ein Rollsystem?
Viele Eigner segeln heute überwiegend zu zweit oder sogar alleine. Ein konventionelles Großsegel bedeutet dabei oft mehr Aufwand:
- Großsegel setzen und sauber bergen kostet Kraft und Aufmerksamkeit
- Beim Reffen muss häufig nach vorne geschaut und gearbeitet werden
- Das Handling ist anstrengender und aufwendiger
- Gerade bei stärkerem Wind möchte man möglichst viel direkt aus dem Cockpit bedienen
Genau hier spielen Rollsysteme ihre Stärken aus: mehr Komfort, mehr Sicherheit und entspannteres Segeln durch ein einfacheres Handling.
Rollmast oder Rollbaum?
Der große Vorteil eines Rollgroßbaums liegt in der Kombination aus einfacher Bedienung und vollem Segelprofil. Ein großer Sicherheitsvorteil zeigt sich, wenn unterwegs einmal etwas klemmt oder blockiert: beim Rollbaum kann das Segel im Zweifel weiterhin kontrolliert geborgen werden – sogar dann, wenn es neben den Baum fällt. Das schafft Reserven in Situationen, in denen man schnell handeln muss.
Der Vergleich zum Rollmast
Auch beim Rollmast läuft vieles komfortabel per Knopfdruck. Für viele Fahrtensegler ist das eine praktische und unkomplizierte Lösung.
Generell hat ein Rollmast ein deutlich höheres Gewicht als ein konventioneller Mast. Der entscheidende Unterschied zeigt sich jedoch bei Störungen. Wenn sich ein Segel im Mast verklemmt oder blockiert und sich nicht mehr bewegen lässt, bleiben oft nur unschöne Optionen:
- Segel draußen lassen
- jemanden in den Mast schicken
- oder im Extremfall das Segel beschädigen bzw. abschneiden
Hier bietet der Rollbaum deutliche Vorteile, weil das System technisch einfacher zugänglich bleibt und Probleme meist kontrollierter lösbar sind.
Für wen eignet sich welches System?
Rollbaum
Ideal für Segler, die:
- Wert auf gute Segeleigenschaften legen
- möglichst viel Segelfläche nutzen möchten
- sportlich unterwegs sind
- komfortabel und sicher reffen möchten
Rollmast
Passend für Segler, die:
- maximale Einfachheit suchen
- mit etwas weniger Segelfläche leben können
- den Fokus stärker auf Komfort als auf Performance legen
Einfaches Reffen mit dem Rollbaum
Das Reffen beim Rollbaum funktioniert sehr komfortabel und kann problemlos von einer kleinen Crew oder alleine durchgeführt werden. Häufig reicht es schon, nur eine Klemme zu lösen und das Segel sauber einzurollen.
Das Segel verschwindet dabei komplett im Baum und ist direkt ordentlich aufgeräumt – kein Gefummel mit Persenning oder Lazy Jacks.
Volles Segelprofil wie beim konventionellen Großsegel
Für viele Segler besonders wichtig: Mit einem Rollbaum lässt sich ein nahezu klassisches Segelprofil erzeugen – inklusive einer gesunden Achterlieksausstellung und entsprechend großer Segelfläche.
Das bedeutet:
- bessere Performance
- mehr Vortrieb
- sportlicheres Segelgefühl
Gerade Eigner, denen Segelleistung wichtig ist, entscheiden sich deshalb häufig für den Rollbaum.
Leicht und kompakt
Dank moderner Carbonwellen sind heutige Rollbäume überraschend leicht und oft kaum größer als ein konventioneller Baum.
In diesem Video erklären wir die Unterschiede und zeigen das Setzen und Bergen des Großsegels mit einem Rollbaum auf einer Hanse 458.
Unser Fazit
Beide Systeme haben ihre Berechtigung – entscheidend ist am Ende der Segelstil und die Prioritäten an Bord.
Wer möglichst einfach segeln möchte und dabei trotzdem ein leistungsfähiges Großsegel behalten will, findet im Rollbaum eine sehr spannende Lösung. Besonders für kleine Crews und Einhandsegler ist das System heute eine echte Erleichterung.
Unser Tipp: Lassen Sie sich vor einer Anschaffung gründlich beraten, damit das System wirklich zur Segelyacht und zum Revier passt.